Oliver Brückner - Haus der Jugend

Shownotes

Kurz zusammengefasst In dieser Folge sprechen wir mit Oliver Brückner – Erzieher in der stationären Jugendhilfe. Du erfährst, welche Rolle er für die Jugendlichen in seiner Einrichtung spielt, wie so ein Alltag mit Jugendlichen, die aus ihren Familien genommen wurden, wirklich aussieht und was das Team und Oli alles leisten, damit die Jugendlichen so gut es geht auf ihr späteres Leben vorbereitet werden.

Das besondere am Haus der Jugend Früher (ab 2015) spezialisierte sich das „Haus der Jugend“ auf unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge und unterstützte diese dabei, in Deutschland anzukommen, die Sprache zu lernen und bei der psychischen Stabilisierung. Heute betreut das Haus auch deutsche Kinder. Aber fördert weiterhin die interkulturelle Arbeit. Doch damit nicht genug. Das Haus läuft nicht wie eine „gewöhnliche“ Einrichtung. Denn hier findet die Betreuung im kleineren Rahmen statt. 6 Plätze entfallen zum Beispiel auf eine Heimerziehung. Man kann sich das wie eine familiäre Wohngruppe vorstellen. 11 Weitere Plätze sind frei für Jugendliche im betreuten Wohnen. Also aufgeteilt auf drei Wohnungen, in denen die Jugendlichen mit viel Unterstützung langsam immer mehr Verantwortung übernehmen müssen und so Stück für Stück auf das Alleinleben vorbereitet werden. Noch mehr zu unserem Haus findest du hier: Haus der Jugend

Wie kann ich selbst Karriere in der stationären Jugendhilfe machen Oliver Brückner beschreibt seinen Werdegang. Und alles fing mit einer Ausbildung zum Erzieher an. So kannst auch du in den Beruf starten und eines Tages in der Jugendhilfe arbeiten. In deiner Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin durchläufst du verschiedene Stationen. Du wirst mal in einer Krippe eingesetzt sein, vielleicht im Hort, aber auch, wenn du die Chance hast, in der Jugendhilfe. Bei uns ist das möglich, weil wir Träger verschiedener Einrichtungen im Raum Potsdam-Mittelmark sind und dir die Chance bieten können, überall mal reinzuschnuppern.

Was dich in der Ausbildung zum Erzieher/Erzieherin noch erwartet, kannst du hier nachlesen: Ausbildung zum Erzieher / zur Erzieherin

Wenn du unseren Verband näher kennenlernen möchtest findest du hier mehr Informationen: Johanniter.de

Du interessierst dich für eine Stelle oder ein Ehrenamt bei uns? Gar kein Problem, hier entlang: Mitarbeiten und Lernen

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Transkript anzeigen

00:00:00: Hey und herzlich willkommen zur dritten Folge von Gute Unterhaltung.

00:00:04: Mein Name ist Christine, ich lade mir regelmäßig Kolleginnen aus unserem Verband ein um hinter die Kulissen ihre Arbeit zu blicken.

00:00:11: Schön, dass du auch wieder mit dabei bist!

00:00:13: Heute zu Gast ist Oliver Brückner aus dem Haus der Jugend.

00:00:19: Tatsächlich bin ich da mal kurz in die Zeitung gekommen.

00:00:22: Überschrift war Exotman in der Kita.

00:00:24: Jeder, der hier anfängt, dem sage ich immer einen Satz.

00:00:26: Man muss damit rechnen wenn man früh seine Runde dreht In ein Zimmer zu kommen wo vielleicht ein Jugendlicher sich das Leben genommen hat.

00:00:33: Das längste was ich da ausgehalten habe waren mal zweieinhalb Stunden eingeschlagen hat.

00:00:39: Wir hatten schon auch Beziehungen innerhalb des Hauses, die erste große Liebe wenn wir einen Jugendlichen in den Jugendwohngruppen aufnehmen und sind dann manchmal total überrascht wie gut es läuft.

00:00:49: Je schlimmer die Kids laufen desto weniger machen wir richtig.

00:00:52: Wir haben alle eigentlich den richtigen Ansatz.

00:00:56: Die wollen allen tollen Job, die wollen alle eine tolle Schulbildung wissen.

00:00:59: eben manchmal noch nicht wie komme ich dahin?

00:01:03: Aber vielleicht stellst du dich erst mal ganz kurz vor sagst wer du bist Wie heißt, wo du herkommst?

00:01:09: Wo du arbeitest und den stelle ich dir ganz viele Fragen.

00:01:14: Fiese Fragen, dein Quatsch!

00:01:15: Ganz nette Fragen natürlich...

00:01:18: Ja mein Name ist Oliver Brückner Ich bin dreidreißig Jahre alt, bin aus Jüterburg arbeite in Jütersburg für die Juwanita als Einrichtungsleiter einer stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung.

00:01:32: Ja, bin eigentlich Jüter Wokker durch und durch.

00:01:34: War immer nur mal kurz weg für Ausbildung ein Jahr Studium Und dann bin ich zurückgekommen nach zweieinhalb Jahre Berlin Pendeln.

00:01:44: In meiner Freizeit ist Fußball ganz ganz groß auf dem Thema und natürlich die Familie.

00:01:51: Also hab einen Bonuskind sozusagen und eine Freundin Genau großen Bruder in Österreich.

00:01:56: Falls ich mal hier weg muss schnell kann ich da auch mal hin und mich da in den Bergen entspannen.

00:02:02: Der ist wahrscheinlich mit meiner großen Schwester mit ihr reist, die ist auch in Österreich!

00:02:06: So wirst du gewesen sein, danke ich!

00:02:10: Du sagst mal, du hast gesagt was ein Jahr studiert?

00:02:12: Was hast du denn gelernt?

00:02:13: oder also welche Berufsausbildung hast du?

00:02:16: Genau, also ich habe Abitur gemacht.

00:02:18: Ich bin dann ganz euphorisch ins Studium gestartet.

00:02:22: Lehramt wollte nach einem Jahr Lehramt von der Sekundarschule auf die Grundschule wechseln, das war nicht möglich und dann ging es in die Erzieherrichtung.

00:02:32: Dann habe ich Erziehe gelernt und das bin ich.

00:02:36: Wieso kann man denn nicht von einer Sekundarstufe auf Primar-Stufe wechselnden?

00:02:40: Das heißt ja eigentlich von den großen zu den kleinen.

00:02:42: Formaler Fehler vom Zentrum für Lehrerbildung haben mir leider einen falschen Termin gegeben und zwar für die Neuabiturienten und nicht für die Altabitorienten.

00:02:51: somit war ich ein Monat so spät um mich umschreiben zu lassen.

00:02:55: Obwohl die junge Dame sich an mich erinnern konnte und ihren Fehler eine standen hat, gab es keinen zurück mehr.

00:03:01: Und ich habe dann ja, ich glaube den guten und richtigen Weg am Ende gewählt.

00:03:06: Ja sehr gut!

00:03:07: Also Glück im Unglück.

00:03:08: Glück im Unglück?

00:03:09: Ja also ich hab gestern den Hinweis bekommen wenn's leicht geht solle zu sein.

00:03:13: Wenn nicht... Dann ist ein anderer Weg vorbestimmt und war dann wahrscheinlich bei dir so.

00:03:18: Kann so kann man so

00:03:21: sagen.

00:03:21: Kann man nur über dem wahr?

00:03:22: Ja

00:03:23: und die Erzieherausbildung war dann sehr leicht.

00:03:25: Echt?

00:03:26: Okay.

00:03:28: Aber du arbeitest ja jetzt nicht in einer Kita,

00:03:30: d.h.,

00:03:31: du hast die Erzieherausbildung erfolgreich beendet.

00:03:35: Du bist kurz Zeitungs-Diwesen habe ich gehört und hast dann aber direkt den Schwenk genommen woanders hin.

00:03:42: oder hast du auch im Bereich Kita hort gearbeitet?

00:03:46: Also in der Ausbildung ... Bestreitet man vier Praktika und muss dafür mindestens drei verschiedene pädagogische Bezeiche durchleuchten.

00:03:56: Und ja, im ersten Jahr war ich zehn Wochen in der Kita – das war auch alles schön!

00:04:00: Und tatsächlich bin ich damals kurz in die Zeitung gekommen.

00:04:03: Überschrift war damals Exot-Mann oder im Kindergarten.

00:04:09: war ganz witzig.

00:04:11: und dann noch ein, zwei Artikel.

00:04:12: irgendwie einen Politiker hat es noch aufgegriffen.

00:04:14: Und große Werbung für den Erzieher-Job gemacht dass man ja in jogginghose vielleicht mal mit einer Modelleisenbahn durch irgendwelche Räume kriegen kann was tatsächlich auch der Realität manchmal entspricht.

00:04:27: Die nächsten Praktika waren aber alle im Richtung In der Richtung Hilfen zur Erziehung Was ein pädagogischer Bereich ist er sich Mit der Heimatziehungen und allem was da dem SGB VIII eigentlich komplett befasst.

00:04:42: Und da habe ich irgendwie hängen geblieben, da hab' ich irgendwie geführt ok kleinere Gruppen mehr Entwicklung tatsächlich vierundzwanzig Stunden am Kind das ist so das wo ich dachte da kann man sich sehen und bin dann direkt nach meiner Ausbildung ein Tag nachdem ich die staatliche Anerkennung hatte in Berlin bei einem Träger in eine Wohngruppe zum Arbeiten gegangen und hatte da sechs Kids.

00:05:07: Und am ersten Tag ging es in Urlaub für neun Tage mit sechs unmehrkanten Kindern, einer unmehkannten Kollegin an die Ostsee.

00:05:15: Da durfte ich dann auf einem sehr kleinen Fernsehen aus dem Jahr den Wunder von Deutschland Mario Götze in einen Bungalow gucken.

00:05:25: Ich glaube der Bildschirm hatte ungefähr zehn Zoll.

00:05:30: also das war Wahnsinn!

00:05:31: Ja, war richtig starre in Atmosphäre.

00:05:33: Ja cool!

00:05:34: Das ist ja auch krass wahr.

00:05:35: Kommst du so die erste Woche da an und kennst eigentlich Arcane?

00:05:38: Und fährst direkt im Urlaub.

00:05:41: Genau für mich ein guter Einstieg weil man ins kalte Wasser geschmissen wird.

00:05:45: und man muss dazu sagen die Kinder sind etwas raus aus ihrer Komfortzone sie sind nicht an ihrem sicheren Ort und somit fällt das gegenseitige kennenlernen relativ leicht weil jeder eben gucken muss wie positioniert er sich Wie streng ist man?

00:06:01: Wie viel probiere ich schon als Kind aus.

00:06:04: Das ist in dem Zuhause, wo die Kids sonst sind sicher anders und ein bisschen schwieriger weil sie einfach viel mehr Schlupflöcher haben und sich auskennen.

00:06:12: Ja wie alt warst du da?

00:06:14: Vierundzwanzig Jahre genau!

00:06:18: Und die Kinder, die ihr betreut habt?

00:06:20: Damals der Jüngste war sieben und der Älteste damals war schon fünfzehn.

00:06:27: Genau, zweieinhalb Jahre war ich da in ähnlicher Konstellation auch von den Kindern.

00:06:33: Es war sehr, sehr stabil.

00:06:34: Wir hatten glaube ich nur zwei Wechsel innerhalb von zweieinhalb Jahren und ja die sind dann alle ein bisschen groß geworden.

00:06:41: Weil jetzt betreut ihr ja auch ältere Kinder ne?

00:06:44: Dann geht es ja glaube ich erst ab wenn ich richtig gelesen habe vierzehn so wirklich los.

00:06:49: Genau unsere Einrichtung jetzt von der Johanita das Haus der Jugend hat siebzen Plätze und ist ausgerichtet für tatsächlich die Älteren Ab vierzehn und unsere Jüngste ist gerade vierzehnt.

00:07:01: Und der Älteste ist dreiundzwanzig.

00:07:03: Also schon, wir reden über Jugendliche bis dann hinein in die junge Volljährigkeit.

00:07:09: Meinst du?

00:07:10: Du hättest den Job hier auch schon mit Vierundzwantig als Einstieg machen können.

00:07:13: also weil der Abstand vom Alter ja nicht unbedingt so groß ist ne?

00:07:18: Der Abstand ist nicht groß das ist eine Hürde.

00:07:21: Das stimmt aber wir haben Kollegen die in dem Alter sind.

00:07:24: ich glaube Unsere jüngste Mitarbeiterin ist vierundzwanzig, die macht das ganz toll.

00:07:29: Je jünger man ist, desto klarer muss man sein.

00:07:32: Je klarer ich bin, destso mehr wird mit den Kids klar.

00:07:36: Ich bin nicht auf einer Ebene Sondern ich habe hier im Endeffekt eine Rolle und eine Aufgabe zu erfüllen Und die heißt nun mal dann Erzieher sein.

00:07:44: Da gehören natürlich auch ganz viel die schönen Sachen dazu Die überwiegen hier Aber es gehören dann auch die nicht so schön Sachen dazu Konsequenzen Stress aushalten.

00:07:55: Wir halten hier ganz, ganz viel aus.

00:07:57: man muss ja ziemlich hart gesotten sein nicht alles mit nach Hause nehmen weil dann kriegt man selbst Probleme Weil wir reden hier von Suizidalität über Selbstverletzung Ja starke Wettlauf-Tendenzen die man auszuhalten hat und natürlich die schönen Seiten.

00:08:19: überwiegend habe ich schon gesagt also der Kinoabend oder Im Urlaub werden wir auch mal fahren mindestens einmal im Jahr mit den Kids.

00:08:29: Das sind die tollen Dinge, aber die schlimmen Dinge sind natürlich irgendwie trotzdem immer im Kopf.

00:08:35: Jeder der hier anfängt bei uns als Erzieher dem sage ich immer einen Satz wo ich hoffe dass er niemals in Erfüllung geht.

00:08:43: Aber ich sage man muss hier damit rechnen wenn man früh seine Runde dreht In ein Zimmer zu kommen wo vielleicht ein Jugendlicher sich das Leben genommen

00:08:51: hat Echt?

00:08:51: Ja, so krass.

00:08:52: Das muss man aushalten können beziehungsweise muss man es zumindest mal gehört haben.

00:08:57: das ist eine Möglichkeit.

00:08:59: Sind also so eine Ernstfalle schon einig treten tatsächlich bei euch?

00:09:03: Suizid nicht!

00:09:04: Wir haben suizidale Gedanken und selbstverletzendes Verhalten immer wieder.

00:09:10: Das ist aber auch relativ der Klassiker von den Symptomen die die Kids zeigen aus einfach ihren Störungsbildern heraus.

00:09:19: Würdest du sagen, dass eure Arbeit gefährlich ist?

00:09:23: Ich glaube unsere Arbeit ist nicht viel gefährlicher als viele andere Arbeiten.

00:09:28: Aber man sollte schon Respekt davor haben also Delikwente oder ja gerade nicht zu steuern.

00:09:35: eine Jugendliche können über Grenzen gehen die wir uns vielleicht nicht vorstellen können.

00:09:39: Also in Berlin In meiner ersten Arbeitsstelle hatte ich einen Jungen.

00:09:43: der war jetzt sich Anfang neun Und er hatte wirklich einen sehr, sehr großen Rucksack an Problemen bei sich und ist relativ regelmäßig wirklich ausgeflippt.

00:09:55: So wie man sich das vorstellt mit Türen zertreten auf uns losgehen, beißen... Das längste was ich da aus erhalten habe war mal zweieinhalb Stunden die er einfach auf mich eingeschlagen hat.

00:10:08: Ich hab mit Händel hinter dem Rücken vor ihm gestanden und hab gewartet bis er ansprechbar war.

00:10:15: Zwei Stunden später haben wir auf der Couchessessen gekuschelt.

00:10:18: Bindungsstörung, so der Klassiker... Ich halte aus

00:10:23: und

00:10:23: schau mal wie weit kann ich gehen, dass der andere mich noch mag?

00:10:26: Und mag er mich dann noch?

00:10:28: Dann ist die Bindung stark genug gewesen!

00:10:31: Es ist immer wieder ein Überprüfen von den Kids weil sie eben nicht aus starken Bindungen kommen können die das aushalten wenn ich mal nicht nett bin.

00:10:41: Also, das ist jetzt meine leinhafte Erklärung.

00:10:43: Vielleicht liege ich auch falsch aber vielleicht ist es ja auch so ein Abklopfen ob's überhaupt lohnt da Emotionen rein zu packen?

00:10:49: Genau, absolut richtig!

00:10:50: Das ist oft Angst etwas zu verlieren und auch so eine selbst erfüllende Prophezeiungen.

00:10:58: die Kids sagen mich mag eh niemand.

00:11:01: warum sollte ich also etwas oder mein Verhalten daran anpassen dass mich jemand mag der lässt mich eh wieder im Stich.

00:11:09: Also wird das überprüft.

00:11:11: Ja, macht Sinn.

00:11:13: Will ja keiner am Ende alleine dastehen und was investiert haben?

00:11:16: Genau!

00:11:16: Und dann vielleicht noch jemanden den man selbst mag verlieren.

00:11:20: Das wäre ja das Schlimmste.

00:11:21: Das haben sie nämlich alle schon.

00:11:26: Wie lang sind die so bei euch im Haus?

00:11:29: Unterschiedlich sehr unterschiedlich angelegt ist die Hilfe relativ lange und dauerhaft.

00:11:36: wir reden über zwei bis fünf Jahre, würde ich schon sagen.

00:11:40: Es gibt welche die auch nur kurzzeitig mal hier sind weil es kurzen Krach in der Familie gibt, das sind oft dann Selbstmeldungen, die bei uns vor der Tür stehen oder beim Jugendamt oder abzusehen ist.

00:11:54: Bei den Kids, die wirklich aus der Familie genommen werden also ein Obhut genommen werden vom Jugendamt, ist meistens die Rückführung gerade in dem Alter relativ schwierig und oft vom Jugendlichen selbst dann auch nicht mehr gewollt.

00:12:07: Ah, okay ja da ist einfach schon zu viel passiert.

00:12:10: Genau und wenn man überlegt mit vierzehn hier vielleicht einzuziehen geht man vielleicht bis achtzehn in die Schule macht noch seine Ausbildung.

00:12:17: drei Jahre ist man einundzwanzig und dann entlassen wir ihn vielleicht in die Freiheit.

00:12:21: dann war man sechs Jahre sieben Jahre hier.

00:12:24: das ist ein langer Zeitraum aber so zwischen zwei und fünf ist schon der Durchschnitt.

00:12:29: Okay, das heißt ihr seid ja auch wahrscheinlich ein relativ gut eingeschliffenes Team.

00:12:32: Also nicht nur die, die hier mitarbeiten sondern auch die Kinder, die vor Ort sind.

00:12:37: Ja wir haben sehr große Stabilität auch im Team.

00:12:40: Das ist nicht so ganz normal in dem Bereich.

00:12:43: Ich finde das super.

00:12:44: es macht mir ganz viel Es macht's mir ganz leicht zu arbeiten und vielleicht die Ein paar Dinge drum herum vielleicht auch zu machen.

00:12:55: Das Team ist super stabil, ich glaube weil unser Arbeitgeber einfach auch toll ist.

00:12:59: Wir haben da ganz ganz großes Glück dass wir bei vielen Dingen wo wir einfach Wünsche äußern die relativ zeitnah erfüllt werden.

00:13:09: Wir hier in einer kleineren Gruppe arbeiten als es normal ist, wir haben sechs Kinder einer vierundzwanzig Stunden Betreuung was eine Kleingruppe in unserem Bereich entspricht und normal sind halt acht bis neun Kinder in so ner Gruppe.

00:13:23: Wenn man sich das dann überlegt, dass man vielleicht alleine im Dienst ist mit acht Kindern.

00:13:28: Dann ist die Belastung doch enorm höher als wenn man sechs Kinder hat.

00:13:32: Genau und dadurch sind ganz viele Mitarbeiter schon mehr als vier fünf Jahre hier Und natürlich ist das arbeiten leichter.

00:13:40: Aber ihr habt jetzt ja auch keine Trennung Mädchen Junge irgendwie soweit Das quasi.

00:13:45: die kommen auch gut miteinander klar.

00:13:46: Also gerade so das Alter Popatät kommt ja auch langsam drin Oder sind mitten drinnen Funktioniertet oder habt ihr da Schwierigkeiten manchmal?

00:13:55: Also alle unsere Gruppen sind heterogen, ja.

00:13:57: Wir haben gemischte Gruppen Mädchen und Jungs.

00:14:01: Natürlich ist das... gibt's Zapporenkontra.

00:14:05: Wir hatten schon auch Beziehungen innerhalb des Hauses.

00:14:08: die erste große Liebe.

00:14:10: Das funktioniert alles ganz toll so lange es läuft Und danach ist der großer Hass vielleicht da.

00:14:17: aber ansonsten ich glaube Es ist bereichernd nicht nur Unterschied zwischen den Geschlechtern zu wohnen, sondern auch zwischen verschiedenen Kulturen.

00:14:27: Also ich glaube wir haben zurzeit sechs Nationalitäten im Haus.

00:14:30: bei siebzehn Kindern heißt relativ bunt aus allen Ecken der Erde irgendwie Kids die bei uns Zuhause sind und das macht es eigentlich spannend.

00:14:41: Das macht schon spannend weil jeder eben was anderes von sich mit reinbringt seine Kultur seine Stärken seine Schwächen und vielleicht auch seine Kenntnisse oder ihm nicht Kennten, also die man hat.

00:14:51: Man lernt im Teufel einander!

00:14:52: Und Mädels und Jungs sind anders... ...und ja es passt.

00:14:57: ich glaube ist es gut so.

00:14:59: Ich glaube es ist gut so weil es ist auch Realität wenn wir sie jetzt hier in ihre Geschlechter sage mal drängen und keinen Kontakt zu dem anderen Geschlecht zulassen.

00:15:12: draußen in der freien Welt sag' ich mal wo wir nicht mehr den Schutz drauf haben beginnen Sie ihm ja.

00:15:18: Also können wir vielleicht hier in den Gruppen auch schon Kontakte oder Beziehungen, wie gehe ich das richtig an?

00:15:25: Wie gehe ich auf Freundschaften mit dem anderen an?

00:15:27: Das ist ja auch ein Problem.

00:15:29: In dem Alter.

00:15:30: es geht eigentlich immer um irgendwie große Liebe oder eben nicht die große Liebe und vielleicht das erste Mal ausgenutzt werden.

00:15:38: Vielleicht können wir im Umgang mit den gemischten Gruppen da ein bisschen helfen.

00:15:44: dass es einfacher ist sich auch draußen zurechtzufinden

00:15:48: Stimmt allerdings.

00:15:49: Jetzt habe ich ja gerade den ersten Mal so eine Wohneinrichtung von Indy sehen, als wir hier durchgegangen sind und es ist wirklich so du hast jetzt quasi mehrere Zimmer die vom Flur abgeben nehmen ein Sammel Küche und wahrscheinlich einen gemeinsamen Bart.

00:16:00: also das ist schon wie ne WG und die müssen sich hier dann auch arrangieren.

00:16:05: Wie viel machen die allein oder isst denn hier abends jemand mit vor Ort von euch als Team?

00:16:11: Also weißt was ich meine wie eigenständig sie sind und was müssen ihr abdecken und was deckt ihr dann am Ende ab?

00:16:17: Also, wir sitzen ja gerade in der Jugendwohngruppe eins wie es bei uns heißt.

00:16:22: Eine Jugendwohngruppe mit betreuungsfreien Zeiten ist noch mal etwas anderes als unsere vierundzwanzigstunden Gruppe.

00:16:28: Unsere vierundswanzig-Stunden-Gruppe ist tatsächlich vierund zwanzig Stunden sieben Tage die Woche dreihundertfünfundsechzig Tage im Schaltjahr sogar noch ein mehr betreut und da ist immer jemand da.

00:16:40: also da ist tatsächlich immer jemand Man ist immer erreichbar.

00:16:47: Dann haben wir drei Gruppen, die in den Jugendwohngruppen unter Jugendwohngruppen laufen und die haben Betreuungsfreizeiten heisst sie sind am Morgen und in der Nacht.

00:16:57: alleine heißt es eine Jugendwege mit Betreuung.

00:17:01: in einer Kernzeit.

00:17:02: zwischen acht bis zwanzig Uhr kommt immer drauf an wer was welche Themen hat.

00:17:07: Wir haben auch Leute die im Schichtsystem arbeiten oder eine Ausbildung machen.

00:17:11: da macht für uns keinen Sinn um acht hier zu sein wenn ja vielleicht aus der Nachtschicht kommt, dann brauchen wir nicht arbeiten sondern gehen dann vielleicht in die Abendstunden.

00:17:20: Genau da ist auch die großen Unterschiede zwischen der Selbstständigkeit.

00:17:23: in der Regelgruppe wo wirklich vierundzwanzig Stunden Betreuung ist sind die Kids noch relativ am Anfang.

00:17:31: Die können oft schon alleine Wösche waschen oder auf die ersten Gerichte kochen schaffen das vielleicht schon alleine.

00:17:38: aufzustehen pünktlich zur Schule zu gehen klingt vielleicht ein bisschen banal, aber auf einem vierzehnjährigen oder fünfzehnjährigen muss man teilweise aus dem Bett helfen.

00:17:47: Und die Wohnrücken von den drei, die wir haben... Da gibt es auch nochmal Abstufungen, aber hier sind wir auf jeden Fall darauf bedacht dass sie es schaffen ihrer Pflicht also ihrer Schule ihre Ausbildung oder ihrem Projekt in dem sie teilnehmen oder der Sprachschule das sie da alleine hinkommen und wir eben nicht mehr den großen Wegdienst machen müssen.

00:18:09: Und dann gibt es so Unterschiede im Einkaufen.

00:18:11: In der Regelgruppe wird komplett mit den Betreuern eingekauft, die Kids müssen zwar mit und dürfen helfen und dürfen sich auch viel wünschen sind aber noch ein bisschen abhängig.

00:18:22: und in den Wohngruppen bekommen die Kids schon eigenes Geld um sich zu versorgen unterschiedlich auf die Intensität.

00:18:29: Es gibt zwei Gruppen in denen wirklich nur Lebensmittel selbst besorgt werden und eine Gruppe bekommt tatsächlich ihren kompletten Satz, das nennt sich Hilfe zum Leben.

00:18:43: Und davon muss dann alles getilgt werden also Essen trinken Haushaltsartikel Hygiene Artikel der Arztbesuch irgendwelche Medikamente.

00:18:53: Das wird dann eben alles in diesem Satz abgebildet und er muss reichen und das wird trainiert.

00:19:01: Wie teilt ihr ein wer in welche Betreuungsform kommt oder wird es anders gemacht?

00:19:06: Ne, also es gibt Rücksprachen mit den Jugendamt.

00:19:09: Das ist ja unser Auftraggeber und wir schauen dann nach Entwicklung.

00:19:14: Also erst mal geht's schon ein bisschen nach Alter in den Jugendrundgruppen.

00:19:17: Es ist erlaubt ab vierzehn aber wir sagen um vierzehnt ist doch relativ jung, also ab sechzehn kann man da schon was machen.

00:19:25: Und wie weit ist derjenige?

00:19:28: Schafft er es...also brauchen wir ihn eigentlich dazu unterstützen, mal die Preise zu vergleichen oder macht er das von alleine?

00:19:35: Kriegt der sein Zimmer ein bisschen hin.

00:19:38: Wir achten nicht darauf dass man in den Zimmern operieren könnte sondern es geht darum, dass es hygienisch ist und nicht gesundheitseferend.

00:19:46: aber ich bin niemand der sagt wenn das Zimmer nicht aufhöräumt ist dann ist das eine Katastrophe denn das habe ich auch nicht gemacht glaube ich.

00:19:53: Ja

00:19:54: da erkennen sich bestimmt einige wieder oder also das sei Fazin Genau,

00:20:00: und dann ist es tatsächlich auch immer ein Experiment.

00:20:03: Also wir haben immer eine Prognose und schauen so ein bisschen voraus wenn wir einen Jugendlichen in die Jugendwohngruppen aufnehmen und sind dann manchmal total überrascht wie gut das läuft.

00:20:13: und manchmal denken wir was ist da los?

00:20:15: Der ist doch eigentlich viel weiter.

00:20:16: der hat uns doch gezeigt dass er alles kann.

00:20:19: aber manchmal ist diese Freiheit dieser Autonomie die sie dann in den Jugendwohnengruppen genießen tatsächlich auch ein bisschen erstmal traumatisieren vielleicht.

00:20:30: Und dann oh mein Gott, jetzt muss ich alles alleine machen und habe gar keinen.

00:20:34: Das klappt aber meistens nach den ersten drei Monaten.

00:20:36: Dann wird das Alltag und dann wird es getrainiert von uns.

00:20:40: Da gibt's eben wo brauchst du Hilfe?

00:20:42: Was brauchst Du wenn das Geld immer am dritten Tag weg ist für Lebensmittel?

00:20:47: was brauchen wir wenn wir einkaufen gehen?

00:20:49: vielleicht einen Einkaufssettel?

00:20:51: so eine banalen Sachen einfachen Dinge üben wir dann.

00:20:55: oder wo kommt erst Waschpulver hin?

00:20:57: da ist auch immer interessant Waschpulver sind hier, also Wasch-Pulver.

00:21:01: Da gibt es hier wirklich große Workshops manchmal und das ist wirklich lustig wie viel Stunden man mit Waschpolver, Waschmaschinen trocknen verbringen kann... ...mit Jugendlichen!

00:21:11: Ja, verrückt ne?

00:21:13: Hast du eine lustige Anekdote gerade?

00:21:15: Findet ihr so als erstes?

00:21:17: Tatsächlich sind wir grad in der Gruppe wo's immer um die Waschmachine geht.

00:21:22: Also ich habe oft das Gefühl dass hier Weißspüler konsumiert wird.

00:21:27: Die Mädels sagen immer, das ist wichtig dass man viel Weihspieler benutzt damit auch das wirklich gut riecht.

00:21:35: Aber irgendwie haben wir jetzt eine Situation wo ich sage da wird ja tatsächlich auch ganz schön draus geschmissen und da sind wir dran irgendwie zu gucken wie viele Patronen oder wie heißt das Deckel von dem Weihspieler kommt denn in so einer Waschmaschine?

00:21:54: Ja, und dann ist ganz lustig immer wenn die sich hier selbst... Die Jugendlichen brauchen alle halbe Jahre mal so ein bisschen Veränderung ihrer Gruppenregeln.

00:22:01: Das machen sie mit uns zusammen aber eben ganz viel selbst.

00:22:04: Sie sollen ihre Gruppenregen selbst aufstellen Und genau dann funktionieren die natürlich nicht.

00:22:09: Also jedes Mal wenn die umgestellt werden und eigentlich vorher alles doof war hinterher ist noch mehr zu tun.

00:22:18: Wir führen Waschtage ein.

00:22:19: Jedes Kind hat einen Waschtag.

00:22:20: Wochenende sind so extra Tage kann man sich Also eigentlich ist die Waschmaschine an dem Tag, wo man Waschtag hat immer besetzt und genau da gibt es dann so Einzelgespräche.

00:22:31: Weil das immer ganz wichtig ist, wann ich meine Wäsche wasche.

00:22:36: Wäschewaschen ist auch bei den Nachbarn ein Thema.

00:22:38: Die kommen dann auch gerne mal und sagen warum wird um eins bei uns noch Wächer waschen?

00:22:42: Die Jugendlichen machen die dann an.

00:22:44: aber ich sage dann auch gern um eins ruhig hochgehen und mal richtig sich beschweren!

00:22:49: Welche Nachbarn wären das?

00:22:51: Also jetzt hier andere Gruppen dann quasi.

00:22:52: Ne,

00:22:53: andere ganz normale Hausbewohnern.

00:22:54: also wir wohnen hier mit ist auch vielleicht ein bisschen unüblich für eine Jugendhilfe Einrichtung.

00:23:00: Wir haben mehrere Wohnungen in einem großen Mehrfamilienhaus und da gibt es natürlich Konflikte auf mit den normalen Nachbaren.

00:23:08: Ja stimmt Aber ist ja eigentlich super Training.

00:23:11: wenn du das hast ja dann auch wenn er aussiehst.

00:23:13: Lebensnah sind wir auf jeden Fall.

00:23:15: Das ist immer das was ich sage.

00:23:17: Vielleicht sind wir nicht die allerschönste Einrichter Von außen, aber wir sind auf jeden Fall sowas von an der Realität und an der Lebensnähe dran.

00:23:24: Das finde ich gut.

00:23:26: Da müssen sie dann auch durch.

00:23:27: da gibt es auch keine schützende Hand drüber.

00:23:30: wenn man um einzelne Waschmaschine anmacht Dann kann man glaube ich wissen dass ist darunter ein bisschen poltern könnte.

00:23:36: Ja das stimmt wohl Spätestens danach Wenn der Nachbar Tod müde natürlich klopft.

00:23:43: Als ich mich quasi vorbereitet habe auf das Gespräch hab ich überlegt Das Haus als Jugendheim bezeichnen oder während etwas völlig anderes.

00:23:52: Früher hat man sich ja Kinder heimgesagt, jetzt sagt man Jugendheim- oder stationäre Jugendhilfeeinrichtung so heißt das in den ganzen Konzepten die man schreibt aber nicht Jugendheim kann man sagen.

00:24:07: Echt?

00:24:07: Ja okay ist irgendwie ein harter Begriff und wenn du das so erzählst klingt es gar nicht so wie man sich vielleicht einen Jugendheim klassischerweise vorstellt.

00:24:15: Viele sagen auch Kinderheimen und bei ganz vielen Klingeln da irgendwie ganz, ganz schreckliche Glocken.

00:24:21: Ich finde es gar nicht so schlimm.

00:24:22: Es ist meiner Meinung nach gar nicht wichtig wie man das hier nennt sondern was hier passiert?

00:24:27: Also wir sind zu Hause für Kids die in ihren Herkunftsfamilien oder vielleicht eben auch durch Flucht oder Kriege aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

00:24:38: den bieten wir in Zuhause Und Zuhausesein ist doch das schönste!

00:24:41: Wir nennen's vielleicht Zuhauses

00:24:43: Ja, also ist auf jeden Fall der schönere Begriff.

00:24:45: Weil ich habe jetzt auch überlegt wenn ich jetzt in der Situation wäre dass sich von zu Hause weg muss oder möchte.

00:24:51: Also hast ja beides erzählt.

00:24:52: und dann ist die Option quasi Kinderheim bzw.

00:24:55: Jugendheim klingt ja irgendwie nicht so charmant.

00:24:58: Oder wie ist eure Erfahrung?

00:24:59: kommen die dann gerne her?

00:25:01: Also oder gibt es da Widerstände?

00:25:04: Auch da total unterschiedlich von?

00:25:07: oh mein Gott Ich bin jetzt endlich angekommen.

00:25:10: Mir geht's jetzt gut mir kann nichts mehr passieren einem wirklich geschützten Rahmen bis hin zu großen Loyalitätskonflikten.

00:25:19: Das Jugendamt hat mich aus meiner Familie geholt ohne Grund.

00:25:24: und jetzt muss ich bei euch sein, wir achten oder versuchen darauf zu achten dass die Kids hier freiwillig herkommen.

00:25:30: in unserem Aufnahmeverfahren versuchen wir mit den Kids tatsächlich so zu sprechen um zu sagen das passiert ihr hast du darauf Lust?

00:25:40: Und dann gibt es eigentlich eine Rückmeldung vom Jugendlichen?

00:25:43: Und ja, ob das dann tatsächlich immer ehrlich ist.

00:25:49: Das ist eine andere Geschichte.

00:25:50: aber wir hoffen und hören relativ gut raus dass die kids gerne bei uns sind sonst wären sie auch nicht immer so lange hier Mit achten.

00:25:59: darf man direkt ausziehen wenn man das möchte Dann ist man freigelassen auf die große weite welt.

00:26:04: Die meisten kits bei uns stellen den antrag auf Hilfe für junge volljährige.

00:26:08: heißt das das müssen Sie selbst machen.

00:26:09: natürlich kriegen sie da auch Hilfe und Unterstützung von uns und dürfen dann auch in den meisten Fällen übers achzehnte Lebensjahr bei uns bleiben und sich entwickeln.

00:26:18: Und die meisten machen das.

00:26:19: Ja,

00:26:20: ja.

00:26:20: Ganz toll ist auch eine Jugendliche, die wir haben, die ist auf achtzehn und möchte sich gerne jetzt demnächst ihr Einzugsdatum bei uns tätowieren lassen was natürlich ich rate davon etwas ab.

00:26:35: aber natürlich ist das ne schöne Sache und es ist natürlich auch ein Moment wo man sagt okay cool das lohnt sich hierfür zu arbeiten dass man irgendwie, sie beschreibt es als einen Neuanfang und ihre Rettung.

00:26:48: Soweit würde ich vielleicht nicht gehen.

00:26:49: Sie hat ganz viele tolle Sachen dafür selbst getan, dass ihr hier gut klarkommt und in der Ausbildung startet aber ist schon ein bisschen herzergreifend.

00:27:00: Ja glaube ich gerne andere lassen sich das Geburtstag umtätowieren oder Hochzeit oder so und ja ist schon cool irgendwie.

00:27:08: Und wenn du hast gesagt manchmal stehen die bei euch vor der Tür Klopfen quasi selber an.

00:27:12: Also beim Jugendamt, wenn das kommt und die Kinder rausnimmt, kann ich mir total erklären wie es funktioniert.

00:27:19: aber wenn jetzt ein Kind sagt... Und das ist überhaupt nicht böse.

00:27:22: Ich glaube gibt ja so die Außenwahrnehmung, die In-Wahrnehmungen und dann gibt's noch eine Familienin-Wahlnehmungen, aber eine persönliche als Kind und können mich schon auch ungerecht behandelt fühlen ohne dass jetzt von außen betrachtet da wirklich irgendwie einen Fall vorliegt der behandelt, also bei dem ihr tätig werdet.

00:27:43: Wie funktioniert es wenn jetzt Kinder euch vor auf der Matte stehen und sagen ob jetzt berechtigt dabei so oder unberechtigt ist ja total egal.

00:27:50: aber wie klopft ihr das so ab?

00:27:51: Und wie kann man das tatsächlich erklären, ob der Fall so brisant ist dass man da wirklich eingreifen muss?

00:27:59: Also die Kids die hier vor der Tür stehen haben meistens tatsächlich ein Problem und bei diesen Schritt zu gehen Der ist schon heftig zu sagen, ich möchte nicht mehr Zuhause leben.

00:28:12: Das ist ein Schritt den man nicht einfach ohne Grund und aus einer Laune heraus macht.

00:28:16: Da haut man vielleicht zu einem Kumpel ab aber sich bei einem Heim wie wir sind vor die Tür zu stellen und zu sagen helft mir holt mich zu Hause raus da sollte man schon hinhören.

00:28:26: das ist der erste Grund warum man einen Obhut nehmen kann dass es eine Selbstmeldung.

00:28:31: in anderen Fällen wo Kinder vielleicht auch jünger sind wird gerne auch eine Kinderschutzfachkraft hinzubezogen oder auch als insofar bekannt, insoweit erfahrene Fachkraft.

00:28:43: Das kann man machen.

00:28:44: da kann man dann im Endeffekt Bögen ausführen.

00:28:46: Man kann sich mit allen Parteien zusammensetzen.

00:28:48: das ist auch ganz wichtig dass man nicht nur die Seite des vermeintlichen Opfers hört wo meine Eltern schlagen mich vielleicht ist das gar nicht so sondern wir sollten einfach alle Seiten hören.

00:28:59: und das macht das Jugendamt dann eben und guckt einfach, was passiert jetzt?

00:29:07: Was macht man?

00:29:08: Wenn die bei uns vor der Tür stehen ist ja für die immer im Kopf okay ich gehe da hin.

00:29:14: Ich werde aufgenommen, kriege ein Bett und fertig is'.

00:29:17: In der Realität sieht das etwas anders aus.

00:29:19: meistens wird es so gehandhabt dass die Kinder erstmal in einen Krisennotdienst kommen also in einem Kinderjugend-Notdienst der bei uns zum Beispiel ein Lukkenwalde.

00:29:31: Von da aus gibt es dann Meldungen ans Jugendamt und die kümmern sich darum, wie's weitergeht.

00:29:38: Also so ein Krisendienst ist so die erste Anlaufstelle für Kids, die von zu Hause weg wollen, sich dazu melden.

00:29:46: Die haben dann noch ganz andere Methoden als wir, die ja schon in dem stationären Setting arbeiten.

00:29:52: Genau!

00:29:53: Und da gehts dann wirklich los mit Befragungen.

00:29:56: Dann schaut man welche Termine stehen aus... Es werden körperliche Untersuchungen mituntergemacht, kommt immer darauf an was die Kids eben erzählen.

00:30:05: Was ich Schlimmes erleben zu Hause oder auch nicht.

00:30:07: Aber es ist so dass sie dann tatsächlich schnell rauskommen?

00:30:10: Also kann ja wirklich mal ein ganz brisanter Fall sein und die müssen da dringend weg.

00:30:15: wie lange dauert das in der Regel bis die dann wirklich also...

00:30:21: Es gibt den Fall dass es sofort geht.

00:30:25: Es gibt in Obhutname Berichte, wo man tatsächlich in den ersten Setzen liest dass da eine sofortige Herausnahme der Kits-Osterfamilie einfach notwendig ist.

00:30:35: Wenn die Wohnung so zu ihr müllt ist das die Kinder vielleicht aus dem Mülltonner essen und so weiter sind dann so die krassen Fälle.

00:30:44: aber ansonsten können In Obhuthnamen auch gehen den Willen der Eltern relativ schnell durchgeführt werden Auch mithilfe der Polizei wenn es sein muss.

00:30:53: Das ist nicht so selten

00:30:54: Echt der?

00:30:55: Ja.

00:30:56: Welche Eltern geben denn ihre Kinder her, egal wie schlecht sie sie behandeln?

00:30:59: Naja schon.

00:31:00: Die man möchte das... Das sind auch Dinge die einfach nicht schön sind.

00:31:04: aber leider Gottes gibt es so etwas und den Kids muss dann einfach erholfen werden und dann geht's tatsächlich schnell.

00:31:12: Es gibt allerdings auch Fälle wo wir sagen Wir entlassen wieder nach Hause Wo wir sagen Unsere Ansicht nach liegt da immer noch eine Kindesruheferdung vor.

00:31:21: Ich würde diesen Jungen nicht wieder nach hause lassen.

00:31:24: Wir hatten jetzt vor kurzem so ein Beispiel, von einem halben jahren junger Mann der Hilfe bei uns gesucht hat.

00:31:30: Der dann auch eine Weile hier eingezogen ist und dann wieder nach Hause wollte.

00:31:35: Unser Meinung nach relativ manipuliert von der Mutter.

00:31:39: Und ja, jetzt vor Kurzem hat er sich wieder selbst gemeldet und das wieder in den Kinder-Jugend Notdienst gegangen.

00:31:45: Da sucht also Wiederhilfe.

00:31:47: Es wird hinaus oft schwarz-weiß.

00:31:50: Ist es entweder alles gut oder ist es schlecht?

00:31:53: Naja, aber wir werden auch nie immer die Wahrheit herausfinden.

00:31:58: Ganz klar!

00:31:59: Nicht wirklich.

00:32:00: Wir sind nicht dabei.

00:32:01: Das stimmt wohl.

00:32:03: Habt ihr denn mit den Eltern oder Sorgeberechtigten viel Kontakt?

00:32:07: und also falls ja wie funktioniert es?

00:32:10: Unterschiedlich.

00:32:11: Also wenn die Eltern sorgberechtigt sind brauchen wir sowieso ganz ganz viel Kontakt weil wir gar nicht alles alleine entscheiden können.

00:32:18: Wir haben zwar meistens eine Vollmacht für die groben Dinge, die das Leben abbildet.

00:32:26: Aber extra Sachen wie Klassenfahrten und so weiter, da müssen wir dann oder Ausbildungsverträge, wenn sie noch nicht volljährig sind, dann eben noch mit von den Eltern unterschrieben werden.

00:32:39: Also Zusammenarbeit ist notwendig.

00:32:42: Wie gut die läuft, ist sehr unterschiedlich.

00:32:45: Es gilt von... Sie können sich jede Unterschrift abholen, diese wollen aber erzählen sie mir bloß löscht über mein Kind von dem möchte ich nichts mehr wissen.

00:32:52: Bis hin zu einem ganz tollen Zusammenarbeiten wo einfach auch ganz klar reflektiert wird was lief denn früher falsch?

00:32:59: Wo waren wir überfordert?

00:33:00: warum haben wir vielleicht auch geschlagen?

00:33:04: und das ist ein tolles Arbeiten weil einfach dieses Kind verliert nicht die Seite der Eltern.

00:33:10: Sie sind immer noch die im Endeffekt wohlwollenden Eltern und kümmern sich können vielleicht aber einfach das Zuhause durch vielleicht auch selbst Erkrankungen nicht mehr bilden.

00:33:21: Aber sind im Endeffekt immer noch emotional für ihre Kinder da.

00:33:23: und das ist die tolle Arbeit, wenn Eltern sagen ich kann es vielleicht zu Hause nicht.

00:33:30: Ich bin überfordert, ich habe vielleicht meine eigenen Baustellen, aber ich liebe mein Kind und ich bin immer vielen da oder für sie da und ihr könnt mich immer erreichen.

00:33:40: oder mein Kind kann mich vielleicht Einmal ein Monat fürs Wochenende besuchen, das schaffe ich.

00:33:46: Das versuche ich und das sind dann genau diese Themen.

00:33:49: Daran wollen wir mehr arbeiten?

00:33:52: Und da gibt es aber wie gesagt auch die Eltern, die gar nicht wollen und für die wir manchmal der Teufel sind was auch verständlich ist.

00:34:00: Wir beherbergen ihr Kind oder das Kind lebt hier und bekommt dir eine Hilfe und die Eltern sind der Meinung dass sie's zu Hause vielleicht viel besser machen oder anders machen Verstehen die Hintergründe vielleicht nicht und dann ist schon klar, dass wir auch manchmal den schwarzen Bild da bekommen.

00:34:17: Also das klingt ja tatsächlich viel schlimmer als die erste Variante wenn die Eltern irgendwie noch zumindest den Willen haben was zu machen.

00:34:26: aber wie also?

00:34:26: du hast ja schon gesagt man muss sich abgrenzen.

00:34:28: Aber wie grenzt man sich bei so weit geht hier tatsache auch irgendwie gegen eure Person Und man sieht es ja nochmal aus einer anderen Perspektive.

00:34:36: Hier habt ihr zwar die Kinder die mal Vielleicht auch Querschlange und Scheiße bauen, aber dann kann man irgendwie noch verknüßen glaube ich.

00:34:42: Aber das sind erwachsene Menschen!

00:34:44: Und wie geht man damit um?

00:34:47: Wie gehen wir damit um?

00:34:48: also ganz viel Team-Ratung Supervision und Weiterbildung.

00:34:52: wenn ich Dinge nicht verstehe dann gibt es halt relativ viele Methoden wo ich mir einfach Rat holen kann.

00:34:57: im Team meistens schon Das reicht oft.

00:35:01: Ansonsten heißt es für uns eben auch Reflexion reflektion reflektion.

00:35:06: Wo haben wir vielleicht Knöpfe gedrückt, dass das Elternteil extrem aggressiv uns gegenüber ist oder extrem manipulativ?

00:35:14: Woran müssen wir arbeiten?

00:35:15: an der Kommunikation.

00:35:16: Halten wir unsere Standards?

00:35:17: heißt es schaffe ich denn wirklich monatlich oder wöchentlich wie es ausgemacht mit dem Elternteil Infos zu tauschen vergesse ich das als Einrichtung natürlich.

00:35:27: jedes zweite mal werde ich irgendwann unglaubwürdig und vielleicht fühlen sich dann Eltern auch nicht wahrgenommen oder nicht wertgeschätzt in dem, was wir hier machen oder was die für uns machen.

00:35:37: Und dann haben wir natürlich ein Problem.

00:35:40: Das heißt wenn wir unsere Arbeit gutmachen kann glaube ich jeder mit einem guten Wissen nach Hause gehen?

00:35:45: Wenn nicht müssen wir uns natürlich hinterfragen und besser werden!

00:35:49: Und die Eltern sind immer mit dem Bund.

00:35:52: das muss so sein.

00:35:55: Unsere Kids sind so alt, dass wenn sie sowieso Kontakt wollen mit den Eltern dann haben Sie Kontakt mit den Eltern.

00:36:02: Das haben wir zu akzeptieren, wenn es manchmal vielleicht nicht förderlich für die Entwicklung ist.

00:36:06: aber Identitätsstiftend ist immer, wenn ich mit der Familie arbeite und deswegen ist das auch immer Ziel.

00:36:14: und das höchste Ziel einer Jugendhilfe in der stationären ist die Rückführung in die Heimatfamilie.

00:36:19: Das ist das Wichtigste!

00:36:21: Schaffen wir das?

00:36:22: Mit einem guten Gefühl Dann haben wir unseren Auftrag erledigt und sind

00:36:27: voll aufzufrieden.

00:36:29: Gibt es irgendwelche No-Gos?

00:36:30: Also klar, ihr habt ja ältere Kinder die können wahrscheinlich nicht, die gehen eh zur Schule oder zur Ausbildung, haben Freizeiten und so.

00:36:36: aber gibt's irgendwelchen Sachen wo ihr sagt da sind Grenzen.

00:36:39: das dürfen sie dann ab einem bestimmten Punkt nehmen wir es mal verbote

00:36:45: also ganz harte Regeln und Verbote gibt es natürlich also Alkohol

00:36:51: Drogen

00:36:54: Tabu, finden wir zum Beispiel illegale Substanzen bei einem unserer Kids.

00:37:00: Dann gibt es hier die Null-Toleranzschiene und wir holen die Polizei.

00:37:05: dann sollen sie tatsächlich entscheiden wie weit das strafrechtlich interessant wird.

00:37:09: Wir haben den pädagogischen Teil noch zu liefern.

00:37:11: Das ist natürlich ein Verrat am Kind.

00:37:15: Aber alle Kids wissen Sie wissen ab dem ersten Tag an dass wenn hier illegale Substanze im Spiel sind keine Handhabe haben und genau diesen Stiefel fahren.

00:37:27: Ansonsten arbeiten wir sehr, sehr offen.

00:37:31: Das heißt die Kids bekommen eine riesenlange Leine und dürfen sie mit ihrem Verhalten entweder länger werden lassen bis wir irgendwann die Leine komplett abmachen oder Sie machen es durch Ihr Verhalten immer kürzer.

00:37:44: Das geht beim WLAN los.

00:37:46: WLAN spielt wie der Sauerstoff zum Atmen in einer Jugend... Wenn es keinen WLAN gibt, dann wird durch die ganze Stadt getingelt und die WLAN-Spots werden über die Zeit, die sie offen sind genutzt.

00:38:03: Bis hin zu tatsächlich.

00:38:04: wir sagen Beurlaubungen finden nicht statt weil's nicht gut ist.

00:38:08: aber richtig harte Regeln so dass wir sagen oh um acht gibts kein Frühstück mehr weil da müssen alle aus dem Haus sein.

00:38:14: oder um acht Uhr bis neunzehn Uhr ist Armbrot auf jede Stille komme ich nur eine Scheibe wurscht.

00:38:20: Das ist Quatsch.

00:38:22: Gibt

00:38:22: es aus anderen Einrichtungen, wie man von Mitarbeitern hier hört?

00:38:25: Das ist aber nicht unser Stil!

00:38:27: Ich möchte das die Kids alleine lernen.

00:38:30: Ich möchte denen nicht alles vorgehen.

00:38:32: Das ist mir zu einfach und mir auch zu

00:38:34: anstrengend.".

00:38:35: Ja, hat natürlich zwei Seiten ne... Also Leine länger lassen ist der optimale Rifffall, aber Leine kürzer werden.

00:38:44: also jetzt hast du WLAN gesagt.

00:38:46: Der hebe schlechthin ja, dann kennen wir alle Zum Beispiel jetzt in einer offenen Gruppe, wo sie sich ja viel alleine machen.

00:38:56: Also welche Hebe gibt es denn da überhaupt großartig?

00:38:58: Es gibt zum Beispiel so tolle Sachen wenn die Kinder, wenn wir Raucher hier haben und die lassen sich dabei erwischen wie sie zum Beispiel den Räumlichkeiten der Einrichtung rauchen das haben Sie eine Zeit lang relativ häufig probiert stellen sich zum Glück eben jugendlich an dass er sich auch wirklich erwischen lassen.

00:39:16: Und dann gibt's halt so schöne Dinge, dass ich in der Hauptzeit wo was los ist ums Haus, da gibts halt ein Kippendienst.

00:39:22: Die müssen den komplett uns aus und dann gehe ich immer mal kontrollieren... ...und schaue das auch wirklich jeder einzelne Zigarette weggeräumt ist.

00:39:32: Das machen die zweimal denn es ist so peinlich, dass sie es nicht mehr machen.

00:39:35: Okay verstehe Also noch ganz nette Strafen klingt immer so ull, ich wisse ja nicht Aber

00:39:40: Konsequenzen.

00:39:41: Ja bei richtig harten Vergehen sind wir auch in der Lage sofort zu entlassen.

00:39:48: Also dann entlasse ich auf die Straße, das ist tatsächlich so.

00:39:52: Wenn es nicht sofort eine Hilfemaßnahme oder andere gibt, geht es immer um den Schutz der anderen.

00:40:00: aber da sind Ausnahmefälle, die hatten wir auch noch nicht.

00:40:03: ansonsten bei längerbleibenden und größeren Fehlern Entwicklungsaufgaben gibt es bei uns ein Abmahnsystem, so wie in jeder Arbeit und man erhält die erste Abmahnung.

00:40:16: Die zweite und der dritte ist der Auszug.

00:40:20: Wir sind gerade, glaube ich hat noch niemand eine zweite Abmahlung.

00:40:23: da sind wir relativ weit weg von weil immer nur mit diesem Druckmittel zu arbeiten je schlimmer die Kits laufen das weniger machen wir richtig.

00:40:33: und wir haben es grad sehr sehr ruhig und tolle tolle Gruppen die ganz tolle Entwicklungen nehmen, weil wir denen einfach frei von

00:40:41: bieten.

00:40:42: Die

00:40:42: müssen das alleine machen dürfen!

00:40:45: Wir haben alle eigentlich den richtigen Ansatz.

00:40:49: Die wollen alle einen tollen Job und eine tolle Schulbildung wissen eben manchmal noch nicht wie komme ich da hin?

00:40:56: Mein Gedanke so umzusetzen schaffe ich es jeden Tag in die Schule zu gehen oder ich gehe abends solange raus dass ich morgens nicht aus dem Bett komme will aber eine gute Bildung, diese Ambivalenz zu zerstören.

00:41:08: Das gehört mit uns zu unseren Themen.

00:41:10: Aber

00:41:12: ich kann niemanden Veränderungen vorgehen.

00:41:13: Verändern kann man sich nur selbst und wenn das so der Leitspruch ist für unsere Kids dann ist alles gut.

00:41:21: Wir können nur die Hand reichen!

00:41:22: Ja aber klingt ja erstmal ganz schön.

00:41:24: also zumindest hört es sich auch nicht... Also wenn man's so hört jetzt hättet ihr so die ganz schlimmen Ausfälle aber wahrscheinlich auch anhand des Konzeptes oder?

00:41:33: Also erst mal dadurch, dass wir eine kleinen Gruppe haben ist es einfacher und also alle vier Gruppen sind ja sehr klein.

00:41:41: Ist das natürlich einfacher?

00:41:46: Es ist schneller Entwicklung zu sehen weil ich einfach viel mehr Zeit, viel mehr Kontakte mit den Jugendlichen haben kann.

00:41:53: Und klar haben wir auch Kids die davor aus allen möglichen Wohngruppenhauseflogen sind Manchmal aus Erzählungen der Jugendlichen vielleicht auch zu schnell.

00:42:05: Da gilt es dann mal zu schauen!

00:42:07: Wir haben einen Jugendlichen, der wohnt auch noch hier, der ist ganz toll.

00:42:11: Der hat in der Anfangszeit hier das Mümmeljahr ziemlich... ...in Anspruch genommen, möchte ich sagen.

00:42:17: Also er hat so ein paar Türen auf dem Gewissen und mal ein Schränkchen weil er in seiner Frustration einfach mit seiner Wucht- und Gewalt nicht anders wusste als mal so'n Möbelstück Ja, zu zerstören.

00:42:30: Er hat aber von seinem Taschengeld was ich hier bekomme.

00:42:34: Tatsächlich alle Schäden bezahlt.

00:42:36: auch war total mit einverstanden und war danach tatsächlich viel reu gezeigt.

00:42:42: Wohnt jetzt in einer Jugendwohngruppe wo er eben tatsächlich sehr viel selbstständig machen muss und möchte am nächsten ja eine Sozialassistentenausbildung machen dann erzieher werden und irgendwann betreuer werden wie wir hier.

00:42:55: Und das ist ganz toll, er hat überhaupt keine Ausfälle mehr in diese aggressive Richtung.

00:43:01: Aber das mussten wir zwei Jahre aushalten!

00:43:03: Es geht dann tatsächlich um langfristiges Aushalten von Verhalten und vielleicht eben nach einer Abänderung.

00:43:10: Macht es Sinn eine Tür zu zerklocken wenn ich wütend bin?

00:43:14: Vielleicht ja aber gibt's nicht noch einen anderen Weg der vielleicht nicht so kostenintensiv ist Jedes Mal den Zorn der Betreuer und meiner Mitbewohner auf mich

00:43:26: zieht.

00:43:27: Was hat er gelernt?

00:43:28: Aber

00:43:29: zwei Jahre!

00:43:30: Ist vielleicht auch ihr Schickter als die Wut gegen Personen zu richten, ne?

00:43:34: Also dann ist die Tür immer noch eine bessere Ventil?

00:43:37: Ja ja über Griffe zwischen dem Jugendlichen gibt es auch relativ selten bei uns aber wir haben schon auch Hardliner mit wirklich suizidalen Tendenzen und sehr sehr offenen Armen tatsächlich auch zur Show gestellt werden, um einfach nach Hilfe zu rufen.

00:43:57: Aber das ist völlig in Ordnung!

00:43:59: Ja, ich wollte gerade fragen also gewinne grade den Eindruck dass der Unterschied zu vielleicht anderen Einrichtungen ist, dass ihr den längeren Atem habt und eben das aushalten könnt.

00:44:09: liegt es jetzt an euch?

00:44:11: An den kleinen Gruppen oder... Also jetzt muss man ehrlicherweise sagen ich war jetzt auch in keinen anderen Einrichten und hab so alles kennengelernt aber ja du und die anderen Mitarbeitenden schon.

00:44:21: Und die Frage ist also, ist das bei euch anders oder gibt es noch mehr Einrichtungen, die so einen Weg gehen?

00:44:28: Also es gibt ganz viele Einrichtung, die ganz tolle Arbeit machen und die auch sicher einfach schauen.

00:44:34: Dass sie wirklich wenn es auszuhalten ist alles aushalten.

00:44:38: Ich glaube wir können gut aushalten weil erstens die Gruppe so klein ist Das Team seit Jahren mega stabil ist und wir da ganz unterschiedliche ganz toller Mitarbeiter haben So eine Erfahrung haben, die verschiedene Zusatzausbildungen haben, wo wir einfach vielleicht noch mehr Methoden mit ins Arbeiten bringen um den Kids eben genau das Richtige für sie zu geben.

00:45:03: Also wir haben einen therapeutischen Boxtrainer, ein Erlebnispädagoge und wir haben eine Kinderschutzfachkraft im Haus.

00:45:09: Das sind natürlich Ressourcen, die man nutzen kann Und wenn man die gut nutzt, kriegt man vielleicht auch so ein Hardliner der schon vielleicht fünf bis sechs Wohngruppen hinter sich hat bei uns gehalten.

00:45:23: Genau und dann nehmen wir einfach jeden Ernst vom Mitarbeiter über jeden Klienten, der bei uns ist, jeder Kind darf so sein wie er ist.

00:45:34: Das ist für mich ganz wichtig.

00:45:37: Das höre ich tatsächlich aus anderen Einrichtungen.

00:45:39: dass das manchmal verhindert wird finde ich total schade.

00:45:43: Wir haben einen Jungen, der ist total in einer Manga-Welt manchmal ja verschwunden fast würde ich sagen und zieht sich gerne an und die Manga ihr Schichten sind eben dass eben die Männer sich da auch wie die japanischen Frauen eben anziehen.

00:45:59: mit Röcken und irgendwelchen verrückten Parücken durfte er in der Fohriereinrichtung nicht?

00:46:05: Ich sage noch wenn du damit unterwegs sein willst dann bitte warum denn nicht?

00:46:10: Und somit kann er hier sein, wer es?

00:46:13: Völlig in Ordnung.

00:46:15: Ja das ist natürlich ein wichtiger Unterschied.

00:46:17: also wirst du ernst genommen und kannst dich ausleben.

00:46:20: Das macht natürlich gerade eine Phase wo man sowieso viel ausprobieren will wahrscheinlich eine Menge aus.

00:46:26: Jetzt hast du noch gesagt Du hast Erlebnispädagogen Kinder Schutzbeauftragte und so weiter und sofort machen das deine Mitarbeitenden freiwillig.

00:46:35: Also klingt jetzt total beschreuert, die sind bestimmt alle total toll!

00:46:38: Und ein paar hier schon kennenlernen.

00:46:40: aber ist es so?

00:46:41: müssen sie irgendwelche Fortbildungen machen?

00:46:42: Kommen die damit schon an?

00:46:44: Finden die selber Kramen wo sie sagen boah da hätte ich voll Bock drauf oder wie funktioniert's für euch?

00:46:49: also Ich habe ein ganz tolles Team was total motiviert ist und tatsächlich kommen die mit mehr Ideen um die Ecke als wir umsetzen können.

00:46:56: Also wir haben demnächst noch auf der Agenda einen Deskalationstrainer auszubilden und ein Sexualpädagogen.

00:47:04: Nebenbei aber eigentlich noch zwei Praxisanleiter für Auszubildende, die wir hier im Haus haben könnten oder Praktikanten, die von den Fachschulen kommen.

00:47:12: Dieses Team ist super motiviert und hat richtig Lust auf Weiterbildung

00:47:16: usw.,

00:47:19: Mein Anspruch als Dienststellenleitung ist es auch jeden Mitarbeiter mindestens auf eine zweitägige Weiterbildung jedes Jahr zu schicken.

00:47:28: Ich glaube wir machen zwar viel im Haus, wir hatten letztes Jahr ein ganz tolles Präventionsprogramm für Drohungen und so weiter hier im Haus was jetzt auch dieses Jahr noch weiter gelaufen ist.

00:47:41: aber das reicht nicht.

00:47:42: ich glaube man muss sich immer weiterentwickeln man muss immer mal etwas Neues hören um vielleicht auch gelernt, dass sich einfach wieder vorne in den Kopf zu holen und nicht das alles verkramen zu lassen.

00:47:53: Das geht mir ja auch so.

00:47:54: Also man hört ganz vieles was man schon kennt und denkt, ah stimmt!

00:47:59: So war das.

00:48:00: Das kann man machen.

00:48:01: Das ist eine gute Idee ausprobieren oder wiederaus probieren.

00:48:06: Genau.

00:48:06: Weiterbindung super wichtig und ganz toll leider auch immer sehr kostenintensiv.

00:48:12: Aber auch da muss ich sagen, haben wir einen ganz tollen Träger.

00:48:14: Der ist ganz viel möglich.

00:48:15: mal eine ganz tolle Found-Razerin die immer mal wieder sucht wo gibt es was für uns?

00:48:22: und da sind wir einfach mega glücklich dass wir genau mit diesen wünschen und weiter Entwicklungsmöglichkeiten immer auf ein offenes Ohr bei unseren Vorsätzen haben?

00:48:31: Ja, auf jeden Fall aufwichtig stimmt.

00:48:34: Ne, bei studieren und unterstützt werden geht ja auch.

00:48:37: das ist ganz toll.

00:48:39: also es läuft wirklich toll.

00:48:41: Jetzt habe ich mich noch gerade die Frage, was von dem ein junger zählt, der gerne in die soziale Richtung gehen würde.

00:48:46: Er interessiert sich ja ganz offensichtlich für die Tätigkeit?

00:48:48: Was muss er denn jetzt machen wenn er zum Beispiel bei euch eine Ausbildung starten wollen würde?

00:48:52: Jetzt habt ihr dann auch nicht die Praxisanleitung aber wir gehen mal davon aus, die kommen irgendwann

00:48:56: und... Doch wer haben auch Praxisanleitungen!

00:48:58: Ach, okay, dann sorry.

00:49:00: Es ist alles da.

00:49:01: Genau also was muss er jetzt welche hören?

00:49:03: Muss er jetzt überwinden damit am Ende hier Auf der anderen Seite des Tisches.

00:49:07: Jetzt ist es auch blöd, aber ja genau dass man euch unterstützen kann auf andere Art.

00:49:11: Also der junge Mann macht jetzt erstmal sein zehnte Klasseabschluss Dann geht's in den Sozialassistenten und danach könnte er In die Erzieherausbildung gehen und dann eben sich entscheiden ob er die Teilzeit macht oder Vollzeit.

00:49:25: Solange er bei uns Bewohner ist wird er bei Uns nicht die Ausbildung machen weil das gibt ein riesengroßes Riesen großen Konflikt innerhalb der Gruppen Weil man eigentlich Wenn er Feierabend hätte, steht man auf einmal Ebene und vorher könnte mir Konsequenzen aussprechen.

00:49:44: Das würde nicht funktionieren.

00:49:46: aber er könnte natürlich in einer Kita oder eine andere Einrichtung im dualen System seiner ZIA Ausbildung machen.

00:49:55: Aber dafür muss er erst mal seinen Schulabschluss machen da sieht es ganz gut aus.

00:50:00: und danach die Sozialassistentenausbildung die nicht ganz ohne ist.

00:50:06: Schauen wir mal weiter, wie man auf den Weg zur anderen Tischseite kommt.

00:50:10: Warum ist die nicht ganz ohne?

00:50:13: Also der Azia-Ausbildung hatte ich ja vorhin schon gesagt viel mir sehr leicht.

00:50:18: Die wurde in den letzten Jahren aber zum Glück meiner Meinung nach noch einmal inhaltlich sehr angepasst und bekommen auch einen anderen Abschluss.

00:50:28: hier bekommen Bachelor nach der Ausbildung dazu und können dadurch dann auch relativ leicht ein gleicher Masterstudiengang zum Beispiel gehen, was bei uns damals nicht so war.

00:50:40: Die Inhalte sind anspruchsvoller es geht Richtung Akademie in irgendeiner Weise, das geht schon im Richtung Studium.

00:50:48: die Lehrer sind meiner Meinung nach oft besser ausgebildet Es wird einfach mehr Augenmerk drauf gelegt.

00:50:56: Ich glaube vor zehn, fünfzehn Jahren klar gab es Mangel an Erziehern Der drückt.

00:51:00: jetzt aber, der drückt und ich glaube da ist ein bisschen etwas passiert im Umdenken.

00:51:05: Leider Gottes ist es immer noch so dass die Erzieherausbildung nicht wirklich vergütet wird.

00:51:10: mittlerweile gibt's aber zumindest die Chance sich ordentlich BAföG zu beantragen was bei uns damals auch nicht so war.

00:51:18: wir sind irgendwie von acht bis fünf Uhr in eine Schule gerannt und dann noch siebzehn bis zweiundzwanzig Uhr in irgendeine Tränke markt.

00:51:24: Ich finde gut das es die Belastung nicht mehr gibt weil das war echt hart.

00:51:28: Dafür waren unsere Inhalte, als Schulstoff natürlich leichter.

00:51:32: Gleiche sich aus aber ich finde besser ausgebildete Leute sind schon besser als die Stresse weil sie so viel Nebenjochs haben.

00:51:39: Ja das stimmt da habe ich mich tatsächlich auch schlau gemacht.

00:51:41: also du kannst ja wirklich so komplett schulisch die Ausbildung machen dann kriegst du eben dieses Barvölk Das wird ja noch geguckt.

00:51:47: welche Rahmenbedingungen hast du zuhause?

00:51:49: Kinder Frau keine Ahnung kann ja auch mal sein und es muss man glaube ich auch nicht zurückzahlen wenn ich mich richtig informieren

00:51:55: muss.

00:51:58: Aber die Schule bzw.

00:51:59: die duale Ausbildung, da hast du dann ein Endgeld über deinen Arbeitgeber und ...

00:52:04: Genau, das ist im normalen Anstellungsverhältnis, zwanzig bis dreißig Stunden irgendwie was dazwischen.

00:52:10: Und machst dann deine Praxisphase.

00:52:14: zwei Tage nicht.

00:52:15: drei Tage in der Woche geht man arbeiten, zwei Tage geht man in die Schule und ist sicherlich die anstrengende Ausbildung aber von einer Qualität her glaube ich die höhere

00:52:27: weil du wahrscheinlich auch einfach vor Ort bist und erleben kannst.

00:52:29: Du kannst

00:52:29: sofort Praxis- und Theorie verbinden, wenn du das Vollschule schmackst, bis du erstmal ein Jahr nach Schule oder einen Dreivierteljahr bis dein erstes Praktikum losgeht und bis du dann überprüfen kannst was dir da jemand erzählt hast ob das alles richtig ist und ob man das wirklich anwenden kann.

00:52:45: Das ist schon langer Zeitraum.

00:52:47: Somit kannst du aber in dem dualen System kannst du ja Woche für Woche gucken.

00:52:51: Ist das, was uns da am Montag erzählt würde, Mittwoch in der Praxis umzusetzen?

00:52:55: Das probiere ich aus.

00:52:56: Das ist spannend und man hat sofort Ansprechpartner.

00:53:00: Man hat dann ein Praxisanleiter eher vor Ort, der im Endeffekt auch nochmal sagt, schau mal da!

00:53:06: Vielleicht ist da noch etwas anders zu machen.

00:53:09: Guck mal auf deine Kommunikation oder guck mal auf deiner Haltung.

00:53:12: Genau, dass es glaube ich hilfreicher als nur Theorie den ganzen Tag irgendwie im Sitzen zu erleben.

00:53:22: Ja, stimmt schon.

00:53:23: Macht Sinn!

00:53:24: Kann man abgleichen was man so hat?

00:53:26: Dann habe ich mir noch eine ganz andere Frage gestellt und zwar wenn du erzählst dass du quasi im Haus der Jugend arbeitest und das haben vielleicht deine Kollegen und Kolleginnen auch schon gesagt habt ihr so mit Vorurteilen zu kämpfen?

00:53:39: also für jemanden der sich das sogar nicht vorstellen kann was sie eigentlich macht?

00:53:43: ja Also Heim heißt oft, wir haben nur verrückte Kinder die klauen randalierend als Bande mit Fackeln durch die Straßen ziehen.

00:53:55: Ja dieses Vorurteil gibt es noch ist auch eine ganz tolle Geschichte.

00:54:00: neben unserem Haus ist gerade eine Großbaustelle und letztes Jahr gab's relativ viele Stürme und da gab es natürlich auch mal einen Bauzaun der mal irgendwie umgefallen ist.

00:54:13: Der Bauherr, der das überwacht kam eines Tages irgendwie in meinen Büro und meinte er hat von Passanten gehört unsere Kinder aus den Heim.

00:54:22: die haben die Bauzäune umgeschmissen und beschädigt.

00:54:25: Und wie war das jetzt machen?

00:54:28: Ich bin dann erstmal relativ ruhig geblieben weil es hätte ja auch sein können dass das so ist.

00:54:32: Jugendliche machen glaube ich auch mal was kaputt Was nicht schönes also aber Ob das immer dann Heimkinder sind, bin ich mir unsicher.

00:54:42: Ich habe mich sehr unsicher und hab die ganze Geschichte mal so ein bisschen abgesagt.

00:54:46: okay wir tauschen Nummern aus.

00:54:47: falls ihr irgendwie was meldet mich gerne und falls sie noch etwas haben wo wir dann sehen wer es denn war dann melden sich auch gerne.

00:54:57: Dann saß ich irgendwie mal draußen auf relativ stürmischer Tag der Bauzaun viel um.

00:55:03: Ich habe mir gedacht, jetzt mach sie mal ein Video wie dieser Bauzaun wirbt und dann weiter umfiel.

00:55:09: Und schön war im Hintergrund lief ein Jugendlicher von mir den Berg hoch und stellte diesen Bau-Zaun wieder um.

00:55:15: Stellte ihn wieder hin und sicherte den noch ein bisschen und ich machte einfach dieses Video darauf.

00:55:21: die Woche kam der Bauherr mit einer großen Entschuldigung und ich hab ihm dann auch drauf hingewiesen dass vielleicht nicht immer alles so richtig ist, was erzählt wird.

00:55:34: Und ob alle Vorurteile gegenüber heimkindern so richtig sind, blickt mir eben nicht sicher.

00:55:39: War eine ganz tolle Erfahrung.

00:55:41: er hat relativ schnell kapiert dass er da vielleicht auf dem falschen Weg war.

00:55:47: das heißt aber nicht dass alle vorurteilen nicht stimmen.

00:55:49: also natürlich sind die Kinder hier problembehaftet oder mehr probleme haftet als kids in den heimatfamilien.

00:55:56: ganz

00:55:56: klar naja gut die haben ja auch einiges erlebt.

00:56:00: genau rein aus ihrer Biografie wäre es verwunderlich, wenn die völlig normal und ohne Auffälligkeiten durchs Leben wackeln.

00:56:12: Was aber durchaus auch absolut möglich ist und wir hier auch erleben.

00:56:17: Ja ich denke mal, es gibt dennoch Menschen in einer Heilinfamilien groß geworden sind und sie haben auch irgendwie ihre Macken und Packing.

00:56:25: Das

00:56:27: wär auch schlimm.

00:56:28: also Leute ohne Macker Das weiß ich nicht, das macht keinen Spaß.

00:56:33: Also alles wo immer alles korrekt läuft, wo immer gut ist wir brauchen Ecken und Kanten.

00:56:38: nur so geht es weiter.

00:56:40: Ja damit Ende ist ja die schöne Erfolgsgeschichte.

00:56:44: wenn du in der Lage bist deiner ganzen Defizite wenn's dann welche sind aber so die Sachen die ihr erlebt hast und dich mal nicht so ausdrücken konzentriert überwunden hast und danach kann man sich selber auf die Schulter klopfen und sagen egal.

00:56:56: Also, dort habe ich jetzt hier irgendwie alle auch als Scheiße mitgenommen.

00:56:59: Aber hat ja Henja Haunik hab mich daraus geworstelt.

00:57:02: Herausforderungen

00:57:03: des Lebens?

00:57:03: Ganz toll!

00:57:05: Ja stimmt wohl.

00:57:06: also ist auf jeden Fall am Ende des Tages eigentlich eine sehr positive Perspektive.

00:57:11: Ob die Perspektiven so positiv sind... Ich glaube statistisch sind es nicht so viele, die es so gut schaffen.

00:57:17: aus dem Heimbereich heraus liegt natürlich aber auch daran dass die Gruppen so groß sind das es wenig Personal gibt dass es viel Personalwechsel auf geht.

00:57:29: Daher ist es oft auch ein bisschen undankbar für die Mitarbeiter hier, die dann eben wenig Erfolge sehen... Also was heißt Erfolg?

00:57:37: Ich finde jeder kleine Schritt ist ein Erfolg.

00:57:40: aber gemessen wird glaube ich einer der rausgeht und ins normale Rentenversicherungssystem mit einer Sozialversicherungspflichtigen Arbeit In unserer Systemeinzahl.

00:57:53: Der zählt dann als super integriert und aus dem Heimbereich kommend, glaube ich statistisch irgendwie einer von fünf.

00:58:02: Wir versuchen einfach die Quote zu

00:58:03: erhöhen.

00:58:04: Ja das ist auch ein Anspruch.

00:58:05: ja!

00:58:06: Habt ihr noch Kontakt zu Kindern, die ihr mal entlassen habt?

00:58:10: Und wisst was aus den Gewohnen ist eigentlich?

00:58:12: Ganz ganz viele... Ganz ganz viele sehen wir auch regelmäßig.

00:58:17: Wir haben einmal in einer Woche so ein Sportangebot, was offen ist und vom Haus von zwei Mitarbeitern betreut wird.

00:58:25: Da sind ganz ganz viele Kids die einfach mal kommen zum Quatschen.

00:58:29: Jetzt haben wir jemanden der früher bei uns war, der zieht um, bräuchte vielleicht irgendwie ein bisschen Hilfe.

00:58:35: dann gucken wir am Kollegenkreis ob das nicht irgendwie lebende Arbeit noch hinbekommen.

00:58:40: Weil das kann man nicht abschalten, also nur weil ein Kind hier wohnt und das unsere wirkliche Arbeit ist.

00:58:45: Kann man nicht wenn dich jemand anschreibt oder anruft oder dir in irgendeiner Weise begegnet und dich was fragt dann sagt man nicht du wie ich hab mit dir nischt mehr zu tun, weil du wohnst ja nicht mehr bei uns.

00:58:58: Niemand macht ganz viel nebenbei.

00:59:01: Geht von lass mal eine Bewerbung schreiben über.

00:59:04: kann ich bei euch etwas ausdrucken?

00:59:08: Aber es ist ganz toll!

00:59:10: Wenn man dann auch sieht, einer hatten wir die jetzt schon Mama.

00:59:14: Ganz ganz toll und Kind ist wunderbar wird anscheinend ganz nett groß bei ihr.

00:59:21: Die gibt sich ganz viel Mühe.

00:59:23: Das sind so dann die Stories, die wir richtig cool finden und wo wir einfach glücklich sind wenn sie mit uns Kontakt halten.

00:59:29: Man hat dann vielleicht doch etwas Richtige machen.

00:59:32: Ja auf jeden Fall denke ich auch.

00:59:33: Also ich glaube alleine schon dass sie nicht direkt von zu Hause auf der Straße landen sondern irgendwo ankommen sein dürfen.

00:59:41: Das ist schon ganz viel wert, das macht was aus!

00:59:47: Dann habe ich gar nicht mehr so viele Fragen an dich.

00:59:48: Ich habe nur noch einmal geguckt.

00:59:52: ihr habt ein paar Angebote.

00:59:54: da stand zum Beispiel dass ihr Medienkompetenz mit drin habt und gesunde Ernährung und da hab ich mich gefragt wie sieht denn das aus?

01:00:03: Also weil ich wusste ja dass es Wohngruppen gibt und die sich auch so einen Teil selber versorgen.

01:00:09: Was macht ihr da?

01:00:11: Was machen wir, also es gibt regelmäßige Abendrunden die oft mit einem Abendessen oder Nachmittags-Snack in irgendeiner Weise verbunden werden.

01:00:20: Da wären wir uns aber nicht als Mitarbeiter alleine hinstellen sondern nehmen uns natürlich Kids dazu die einfach entweder Ideen äußern oder wir mit den zusammen Ideen entwickeln um zu schauen In welche Richtung kann ich denn gehen?

01:00:34: was kann Ich denn kochen?

01:00:35: was ist relativ preisgünstig?

01:00:37: auch Klar, jeden Tag ein Rinderfilet wäre natürlich ein Traum.

01:00:41: Aber ob das unbedingt wirtschaftlich ist bin ich mir unsicher.

01:00:48: Genau in der Regelgruppe wo sie am Endeffekt ihr Fundament für die Wohngruppen bekommen gibt es ganz klar auch Einkaufsdienste.

01:00:56: da werden die Kids dazu angehalten also mit Einkaufen zu fahren Preise zu vergleichen, Einkaufssättel zu schreiben und einmal in einer Woche's Abendrunde wo die Kids mit Betreuerern zusammen die Essenplanung machen.

01:01:11: Das heißt, es wird darauf erachtet dass es auch mal einen vegetarischen Tag gibt das es mal Fisch gibt.

01:01:16: natürlich darf es auch eine Pizza sein aber vielleicht kann man dann eben den Pizzateig aus Weizenmehl sondern Dingle Mehl oder sowas machen.

01:01:25: Es gibt ja einfach nur gibt immer die Möglichkeit sich gesund und ungesund zu ernähren.

01:01:30: Aber muss man auf alles verzichten um gesund zu leben?

01:01:32: glaube ich nicht.

01:01:33: Deswegen schauen wir, dass wir den Alternativen präsentieren.

01:01:37: Gibt es vielleicht eine Flügelvariante oder gibt es eben Mehl?

01:01:44: Was man nehmen kann was nicht Weizen immer ist sondern was?

01:01:47: oder kann ich mal ein Brot selbst backen?

01:01:49: Das ist total toll!

01:01:51: Genau und seit letztem Jahr finde ich auch super fahren wir einmal also wollen wir dieses ja auch wiederfahren ins Survival Camp um mal komplett uns zu erden.

01:02:02: Das heißt, mit unserem Erlebnis-Pädagogen der natürlich darauf brennt mit den Kits so etwas zu machen fahren wir in Wald und haben dann ein bisschen Planen, ein bisschen Strippe uns soweit damit.

01:02:13: Und irgendwie eine Isomatte und einen Schlafsack und alles andere machen die Kids und wir selbst also vom Bau einer Outdoor Toilette mit irgendwie Vorhang und so über.

01:02:25: Wir gehen an einem See und angeln uns ein Fisch und grillen den Arms Machen selbst Feuer mit einem Feuerstein oder mit einem Stock, den man irgendwie versucht in der Hand zu drehen.

01:02:35: Übrigens klappt das nicht!

01:02:38: Das ist eine Geschichte.

01:02:41: Da zeigt er uns dann, es geht wie man es eben doch mit dem Stock machen kann und baut sich irgendwie einen Bogen dazu.

01:02:47: Und das ist total toll.

01:02:48: die Kids hatten letztes Jahr das große Bedenken wie sie ihre Handys laden ob es da WLAN gibt in dem Wald.

01:02:57: Natürlich konnten sie Rennys nicht lernen und es gab auch keinen WLAN.

01:03:00: Was am Ende völlig egal war, weil keins der Kids die mit waren in irgendeiner Weise ihr Handy gezückt haben, höchstens abends um mal zu gucken oder mal ein Bild zu machen.

01:03:10: Ansonsten sind die sowas von in der Natur aufgegangen.

01:03:14: Dadurch dass das erste Mal war, gab's noch ganz viele Baustellen.

01:03:18: aber beim nächsten Mal weiß ich, dass uns Annik der Erlebnispädagoge auf jeden Fall Moos Baden anbieten möchte.

01:03:25: Da legt man sich in den Waldboden und er leitet im Endeffekt an, auf was man achtet.

01:03:32: Man lässt also so komplett sich fallen, achtet nur auf Geräusche.

01:03:36: Man hat die Augen zu spürt wie einfach dieses Moos den Körper umwindelt.

01:03:42: das sind so die Dinge wo wir die Kids einfach runterholen.

01:03:45: vielleicht geht es nicht immer nur Pizza als Doof sondern denkt mal nach wo wir herkommen was es in der Natur gibt.

01:03:54: Schau, dass du das nutzt und darauf achtest.

01:03:58: Also klingt auf jeden Fall nach einem außergewöhnlichen Angebot?

01:04:02: Ja!

01:04:04: Und relativ einfach umsetzbar weil das Team das super mitträgt und da voll mitgeht.

01:04:13: Eine allerletzte Frage, dann bist Du alle höchst.

01:04:17: Hast Du eine Anekdote?

01:04:19: Man will ja mal positiv enden aber ich glaube es gibt auch echt viel Positives zu erzählen die dir zwar nahe gegangen ist, aber dich total erfüllt hat?

01:04:27: Oder vielleicht auch euch als Team.

01:04:30: Da gibt es zwei, die ich gerne erzähle und zwar... Wir hatten mit einem jungen Syrer Hassan.

01:04:38: der hat es tatsächlich geschafft über einen Familiennachzug seine Familien nachzuholen Und das war ... ... im Dezember Am XXVII.

01:04:56: kam seine Familie an, wir durften großzügigerweise mit einem großen Bus von unserem Fahrdienst ausgeliehen die Familie abholen, die damals direkt aus Syrien geflohen ist und ja dann irgendwie hier ankam.

01:05:13: und wenn so Eltern- und Kinder sich seit fünf Jahren nicht gesehen haben ... Also da ist es schon ganz schwer normal zu bleiben und professionell zu bleiben, das geht dann auch nicht.

01:05:23: Dann darf man auch mal ruhig eine Träne mit verdrücken.

01:05:26: Und die sind hier ganz toll angekommen haben.

01:05:29: zum Glück, da konnten wir mit einem anderen Träger super zusammenarbeiten, die erstmal eine provisorische Wohnung gestellt haben weil wer hat denn am achtendzwanzigsten zwölften noch Lust sich da so richtig reinzuhängen?

01:05:42: Besonders schön ist es, weil vier Tage vor Ablauf der Frist das an alles geklappt hat.

01:05:46: Also vier Tage später wäre es nicht mehr möglich gewesen über diesen Familiennachzug überhaupt nach Deutschland zu kommen.

01:05:53: und die haben einen Flug gekriegt.

01:05:54: Die haben die Mittel dazu zusammenbekommen hier anzukommen.

01:05:58: Der junge Mann hat hier in Deutschland alles dafür getan und am Ende wurde diese Familie wieder vereinigt was einfach gigantisch tolles.

01:06:07: Und eine andere Geschichte ist Ein junger Mann in Berlin, der sehr, sehr problematisch war.

01:06:14: Der ihm tatsächlich sehr übergriffig auch gegenüber erzielen war.

01:06:19: Hat mich nach vier Jahren die wir uns überhaupt nicht gesprochen und gesehen haben, musste an irgendeiner Kiste eine Handynummer von mir in irgendeinem WC finden haben und hat mich angeschrieben und sich bedankt für die tolle Kindheit, die ich hatte... für die tollen Angebote, die wir gemacht haben.

01:06:40: Obwohl er so war wie er war und da reden wir wirklich von Bissverletzung und Schläge mit einem Schuhregal aber das hat mir sein Abschlusszeugnis dann als allererstes ihr schickt um zu zeigen er hat die Kowee gekriegt.

01:06:59: Er musste uns damals noch verlassen in eine therapeutische Wohngruppe Und hat im Endeffekt die Kowie kriegt, hat sich dafür bedankt Und hat sich danach zwar nicht mehr gemeldet, aber ich glaube genau deswegen finde ich es so toll weil er wollte nichts von mir.

01:07:16: Er wollte nur sagen hey toll dass du da warst muss mir schlecht gehen.

01:07:21: und ja das sind so die Teile.

01:07:24: wenn's mal schlecht läuft erinnert man sich und denkt ach so schlimm ist alles gar nicht.

01:07:28: Es kommen wieder Momente wo man vielleicht aus glück ne Träne verdrückt.

01:07:32: Ja eine schöne Geschichte auf jeden Fall beide Olli, das war schon.

01:07:38: Ich danke dir.

01:07:38: Na schade!

01:07:39: Ja also du kannst natürlich wenn du willst jetzt noch mal voll los erzählen.

01:07:44: aber nee vielen dank.

01:07:45: dann entlass ich dich und du darfst mir jetzt denken.

01:07:48: Vielleicht

01:07:49: gibt es ja auch irgendwann einen zweiten Teil.

01:07:51: Dann haben

01:07:52: wir hier alles Pulver verschossen

01:07:53: sonst.

01:07:53: Stimmt.

01:07:54: Wir spoilern jetzt schonmal.

01:07:55: Es gibt bestimmt den zweiten Teil die Olli Reunion.

01:08:00: Na dann vielen Dank.

01:08:02: bis zum zweiten

01:08:03: Teil.

01:08:03: Danke Christine.

01:08:07: Wow Ich bin ehrlich, an der einen oder anderen Stelle muss sich echt schwer schlucken.

01:08:12: Aber wenn ich das gesamte Gespräch an mir vorbeiziehen lasse, muss ich feststellen wie falsch meine Vorstellung einer stationären Jugendeinrichtung war.

01:08:19: Auch vor Ort empfing mich eine ganz andere Stimmung als ich es erwartet hätte!

01:08:22: Ich glaube dass Team UmOli leistet da eine ganz tolle Arbeit und schenkt zu manchen Kindern eine Kindheit die sie so sonst vielleicht nie erlebt hätten.

01:08:30: Wir hören uns wieder in vier Wochen – zu Gast ist dann Rettungsdienstleiter Sven Schmidt.

01:08:34: um keine Folge mehr zu verpassen abonniert auch unseren Kanal.

01:08:37: Wir freuen uns auf euch!

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